Keine Wahl in der Schweiz: Verbraucher leiden unter Zwangsrouter

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Seit einem Jahr können Verbraucher in Deutschland frei entscheiden, welche Endgeräte sie an ihrem Breitbandanschluss einsetzen. In anderen Ländern ist die Gesetzgebung  deutlich weniger verbraucherfreundlich – dazu zählt auch die Schweiz. Dabei zeigt sich am Beispiel Deutschland, dass die sogenannte Routerfreiheit nicht zu den Horrorszenarien führt, die Provider gerne an die Wand malen. Das Gegenteil ist der Fall.

In der benachbarten EU machte man bereits 2015 deutlich, dass es das Recht jedes Endanwenders ist, selbst zu entscheiden, welches Breitbandgerät er nutzen möchte. Die Realität sieht jedoch anders aus. Millionen von Kunden werden in der EU und teilweise auch in der Schweiz dazu gezwungen, das Modem bzw. den Router des Anbieters zu nutzen. Die Kunden, die für die Einrichtung des Endgerätes ihrer Wahl meist lediglich die entsprechenden Zugangsdaten in Form von Benutzernamen und Passwort benötigen, erhalten diese Informationen selbst auf Nachfrage häufig nicht.

Verbraucher in Deutschland haben es da deutlich besser. Dank des TK-Endgerätegesetz können die Kunden seit dem  1. August 2016 selbst entscheiden, welches Endgerät sie an ihrem Anschluss verwenden. In dem Gesetz wird detailliert festgehalten, dass das öffentliche Telekommunikationsnetz am passiven Netzabschlusspunkt, also an der Anschlussdose an der Wand endet. Durch diese klare Definierung, können die Anbieter nicht mehr argumentieren, dass das Endgerät Teil ihres Netzes ist.

Die Routerfreiheit wurde von zahlreichen Verbraucherorganisationen sowie vom Verbund der Telekommunikations-Endgerätehersteller (VTKE) begrüsst. „Durch einen Routerzwang entstehen Anwendern erhebliche Nachteile, beispielsweise durch fehlende Funktionalitäten der Zwangs-Endgeräte oder Probleme hinsichtlich der IT-Sicherheit und des Datenschutzes“, sagt Simon Kissel, Gründer und CEO des Router-Herstellers und VTKE-Mitglieds Viprinet.

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Simon Kissel, Gründer und Geschäftsführer, Viprinet

„Seit einem Jahr können Verbraucher in Deutschland nunmehr frei wählen, ob sie mit dem Standardgerät des Providers zufrieden sind oder ein Endgerät im Handel erwerben wollen, das ihren Bedürfnissen besser entspricht. Das von Providern befürchtete Chaos hat sich aber – wie erwartet – nicht bewahrheitet“, so Simon Kissel.

Die Vorteile der freien Endgerätewahl liegen auf der Hand. So können Endanwender die Leistung sowie den Funktionsumfang ihres Endgeräts und damit ihres Heimnetzwerks erhöhen, indem sie ein höherwertiges Produkt als das Zwangsgerät des Anbieters verwenden. Gehört beispielsweise der Router per Gesetz nicht länger zum öffentlichen Netzwerk, befinden sich sämtliche Daten auch weiterhin im privaten Netzwerk, wodurch die Privatsphäre des Verbrauchers deutlich besser geschützt ist. Kommt es zu Sicherheitsproblemen, muss der Verbraucher zudem nicht mehr warten, bis der Netzanbieter aktiv wird. Stattdessen kann er sich selbst helfen und das Problem beseitigen, indem er ein Sicherheitsupdate selbst aufspielt oder notfalls das Endgerät austauscht.

Der Anbieterwechsel wird ebenfalls leichter, da das „alte“ Endgerät weiterverwendet werden kann. Die Anschaffung eines neuen Gerätes sowie eine komplett neue Konfigurierung sind nicht notwendig.

„Ein offener Wettbewerb um die Gunst der Endverbraucher führt letztlich zwangsläufig auch zu leistungsfähigeren und innovativeren Produkten“, erklärt Christian Auerswald, Geschäftsführer der Auerswald GmbH, die als Anbieter von ITK-Systemen und IP- Kommunikationslösungen auch dem VTKE angehört.

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Christian Auerswald, Direttore Generale, Auerswald GmbH

„Davon profitieren am Ende logischerweise die Kunden – aber auch die Unternehmen, die innovativ und ambitioniert sind.“

In vielerlei Hinsicht verhindert der Routerzwang (ISP Lock) also wichtige Entwicklungen und Trends. Am Mobilfunkmarkt, wo seit jeher die freie Wahl des Endgerätes gilt, zeigt sich deutlich, wie schnell und mitunter revolutionär die Entwicklung voran gehen kann. Das hat dazu geführt, dass Verbraucher nunmehr Dinge mit ihren Handys erledigen können, die mit dem klassischen Telefonieren nichts mehr zu tun haben. Die Unternehmen, die diese Entwicklungen am kundenfreundlichsten vorangebracht haben, sind die, die heute am besten dastehen. Ohne diese Entwicklung fernab von Zwangsprodukten wären Smartphones bei Weitem nicht so leistungsfähig, wie sie es mittlerweile sind.

Trotz mitunter grossen Widerstands können die deutschen Anwender seit inzwischen einem Jahr bei DSL, Kabel oder auch Glasfaser ihr Endgerät nach eigenen Wünschen und Bedürfnissen wählen. Von Horrorszenarien wie überlasteten Hotlines und Service-Teams, weil Kunden ihre Wunschprodukte nicht zum Laufen bekommen, oder aber von kundeneigenen Endgeräten verursachten Netzzusammenbrüchen keine Spur. Dennoch herrscht in der Schweiz sowie in vielen anderen europäischen Ländern weiterhin der Routerzwang. Die einzige Möglichkeit, die Kunden hier haben, um dennoch das Endgerät ihrer Wahl zu nutzen, ist, dieses hinter den Zwangsrouter des Providers anzuschliessen. Das geht jedoch zu Lasten des Geldbeutels und der Umwelt, schliesslich zahlt der Verbraucher sowohl für die Anschaffung als auch für die Stromversorgung jeweils doppelt.


Details zum Verbund der Telekommunikations-Endgerätehersteller (VTKE)
Ziel des Verbunds ist, das Bewusstsein für die Bedeutung von Telekommunikationsendgeräten in Politik und Gesellschaft zu stärken und für die Notwendigkeit stabiler, zukunftsorientierter und innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen für die Hersteller-Unternehmen zu werben. Darüber hinaus möchte der Verbund mit der langjährigen Markt- und Entwicklungserfahrung vieler seiner Mitglieder zur deutschen sowie europäischen Telekommunikations-, Digital-, IKT- sowie Wirtschafts- und Wettbewerbspolitik beitragen.
Zum dem Verbund gehören AGFEO GmbH & Co. KG, Auerswald GmbH & Co. KG, AVM GmbH, bintec elmeg GmbH, Buffalo Technologies EU BV, devolo AG, D-Link GmbH, DrayTek GmbH, uniVorx GmbH, Gigaset Communications GmbH, Ikanos Communications Inc., individual Computers Jens Schönfeld GmbH, LANCOM Systems GmbH, Lantiq Deutschland GmbH, Nextragen GmbH, Patton-Inalp Networks AG, Snom Technology AG, TDT GmbH, TechniSat Digital GmbH, Telefonbau Arthur Schwabe GmbH & Co. KG, Tiptel.Com GmbH und Viprinet Europe GmbH.

Comments (7)

  • user1 Reply

    Achtung!! Sunrise Router zwang kein bridge modus verfügbar..!!!!!!

    Januar 8, 2019 at 11:59 AM
  • Marc-Alain Steinemann Reply

    Gibt es eine Initiative, um dies zu ändern?
    Salt ist auch so ein schlimmer Laden, der zwar den Bridge Mode als in Vorbereitung kommuniziert hat, jedoch auch nach über einem Jahr nicht liefert.

    Februar 28, 2020 at 10:20 AM
    • SAB Communications Reply

      Leider nicht, zumindest keine politisch relevante Initiative. Dadurch dass beim grössten Anbieter der Schweiz Routerfreiheit gewährt wird, dass sich der Ottonormalverbraucher grundsätzlich mit dem zufrieden gibt, was er bekommt, und dass der eine oder andere Providerrouter den Bridge Mode kann, ist bei uns in der Schweiz der politische Druck kaum vorhanden, etwas gegen diese gut verschleierte Anwender-Bevormundung zu unternehmen.

      März 26, 2020 at 10:20 AM
  • Kurt Wenger Reply

    Die Begründungen der Telkos, die immer noch den Routerzwang aufrecht erhalten sind ziemlich fadenscheinig. Sooo brillant sind die Support-Leistungen der Kabelbetreiber nun auch wieder nicht (man verfolge nur deren eigenen Community-Foren…), auch wenn sie sich sich mit einer sehr überschaubaren Auswahl an Endgeräten umgeben. International anerkannte Normen stellen ja sicher, dass die überwiegende Anzahl Router auf die Kabelanschlüsse passen! Kabelboxen/Modems werden sicher nicht primär nach technischen Features evaluiert und angeboten, sondern nach Kosten. Wenn schon der Support als Hauptargument herhalten muss, könnte man den ja zu günstigen Tarifen kostenpflichtig machen. Deutschland hat vorgemacht, dass es ohne Routerzwang auch prima geht. Ich bin bei einer Initiative gegen den Routerzwang sofort dabei, sonst stimme ich mit den Füssen ab…

    April 30, 2020 at 11:44 AM
    • SAB Communications Reply

      In Italien ist es mittlerweile ebenfalls so. Freie Routerwahl. Gäbe es diese Initiative in der Schweiz würden wir ebenfalls zum Wahllokal rennen 🙂 Allerdings haben wir den Eindrück, dass der Bedarf an freier Wahl bei den Routern hier bei uns nur bei bestimmten Völkergruppen (Technik-Begeisterten) vorhanden ist. D.h. eine Initiative wäre rein numerisch erfolglos (obwohl die freie Wahl ein Grundrecht sein sollte). Deshalb verstehen wir auch nicht, warum die Provider grosse Befürchtungen bei der freien Routerwahl haben, denn nur ein geringfügiger Teil der Bevölkerung würde diese in Anspruch nehmen, d.h. der Status Quo würde erhalten bleiben und sie würden sich bei dieser Kundschaft sogar die Kosten für die Bereitstellung des eigenen Routers sparen. Einverstanden, der Support für Drittprodukte könnte kostenpflichtig sein. Das würden aber die Geeks / Nerds voraussichtlich gar nicht erst nutzen (wir zum Beispiel), ausser es gibt nachweisbare Leitungsprobleme, die mit dem Router nichts zu tun haben. Wir sehen die freie Routerwahl als “Win-Win” für alle Beteiligten. Wir fühlen uns aber echt allein dabei. 🙂

      Juni 24, 2020 at 2:30 PM
  • BTi Reply

    Nein ihr seid nicht allein….
    Nun wo alle seit 1 jahr daheim hocken und im ganzen haus 10gb netzwerk eingezogen haben, gehts mir nur noch auf den sack, dass man sich hier noch immer mit diesen eingeschränkten provider router rumschlagen muss.
    Bridge wird zwar unterstützt, bietet aber nicht alle essentiellen funktionalitäten.

    Ansonsten kann ich euch da nur zustimmen, auf den punkt…

    Wir brauchen KEINEN SUPPORT (die community arbeitet effizienter), was wir brauchen ist die möglichkeit unsere it infrastruktur nicht nur selber in jedem laden kaufen, sondern dann auch nutzen zu können, das haben wir damals mit der dfü-verbindung schon hinbekommen!!

    Wir brauchen FREIE ROUTERWAHL!

    März 19, 2021 at 9:56 PM

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